Um falschen Erwartungen und negativen Überraschungen vorzubeugen, ist es sinnvoll, sich eine Vorstellung davon zu machen, welche Prägungen, Mentalitäten und Besonderheiten den Kreis der 24h-Betreuungskräfte kennzeichnen. Hierzu wollen wir Ihnen im Folgenden einige Anhaltspunkte geben.
Nach wie vor stammen die meisten 24h-Betreuungskräfte aus Polen. Dort hat die Vermittlung von Personal für die häusliche Pflege in Deutschland bereits eine lange Tradition. Außerdem bietet Polen den Vorteil, dass es sich um ein vergleichsweise bevölkerungsreiches Nachbarland handelt. Die meisten Betreuungskräfte – weibliche wie männliche – sind hierbei mittleren Alters. Sie sind also nicht zu jung, um ein Gefühl und Verständnis für die prägenden Zeiten der Menschen zu haben, um die sie sich kümmern. Der beschriebene Generationenvorteil kann allerdings auch dazu führen, dass einzelne Betreuungskräfte in Belastungssituationen aufgrund eigener altersbedingter Einschränkungen selbst rasch an ihre Grenzen stoßen. Dies kann sich insbesondere auf Tätigkeiten auswirken, die mit körperlicher Anstrengung verbunden sind, wie das Heben oder Umsetzen von betreuten Personen.
All diesen Menschen bietet die Tätigkeit in Deutschland im Vergleich zu ihrem Heimatland überproportionale Verdienstmöglichkeiten und motiviert sie, über mehrere Wochen fern ihrer Heimat zu arbeiten. Wer selbst einmal gepflegt oder im Ausland gearbeitet hat, weiß um die psychischen und physischen Belastungen, die ein Einsatz dieser Art bedeutet.
Qualifikationen
Wichtig ist auch, sich darüber im Klaren zu sein, dass es sich bei den eingesetzten Betreuungskräften in der Regel um einfach geprägte, oft bildungsferne Menschen handelt. Eine fundierte berufliche Ausbildung ist hier eher die Ausnahme. Etwas anders verhält es sich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die aus kleineren Ländern wie Litauen, Kroatien oder Bulgarien vermittelt werden, die zumeist über eine Berufsausbildung verfügen. Die absolute Ausnahme sind bei allen 24h-Betreuungskräften fachliche oder medizinische Kenntnisse im Pflegebereich. Das vermittelte Personal stützt sich bei den übertragenen Grundpflegeaufgaben also praktisch ausschließlich auf Erfahrungswissen. Dabei haben nicht alle Betreuungskräfte die gleichen Qualifikationen, Erfahrungen und Fähigkeiten. Und es kommt durchaus vor, dass eine Betreuungskraft nicht den Erwartungen oder Bedürfnissen der betreuten Person/en entspricht. Auch die Leistungsbereitschaft kann zum Thema werden.
Trotz der geografischen Nähe insbesondere von Polen zu Deutschland, bestehen Mentalitäts- und kulturelle Unterschiede, die sich auf die Situation vor Ort auswirken können. Themen, die heraus erwachsen können, sind etwa unterschiedliche Ansprüche an die Sauberkeit im Haushalt, der als übermäßig empfundene Gebrauch digitaler Medien (Smartphone), grundsätzlich andere Essgewohnheiten oder das Verhalten der Betreuungskräfte, das als vergleichsweise grob empfunden wahrgenommen wird.
Problemfälle
Abgesehen von den erwähnten altersbedingten Einschränkungen möchten wir an dieser Stelle im Zusammenhang mit dem Einsatz osteuropäischer Betreuungskräfte offen auch Fälle extremen Fehlverhaltens und den damit verbundenen Vertrauensverlust und gegebenenfalls materiellen Schaden ansprechen. Vorrangig geht es hierbei um Vermögensdelikte wie etwa Diebstähle sowie Alkoholmissbrauch und psychische Erkrankungen. In einer für die Betroffenen ohnehin bereits so schwierigen Lebensphase lassen sich Vorkommnisse dieser Art trotz aller Bemühungen leider nicht zu 100% ausschließen, da auch bereits auffällig gewordene Menschen in dem rasch wachsenden Pflegepersonalmarkt immer neue Möglichkeiten einer Vermittlung finden.
Ein gesundes Maß an Skepsis und eine maßvolle Kontrolle sind deshalb aus unserer Sicht ebenso sinnvoll wie zulässig. Bei wahrnehmbaren Persönlichkeitsstörungen sollte der Pflegeeinsatz trotz der damit verbundenen Belastungen unter allen Umständen so rasch wie möglich abgebrochen werden. Um Risiken – aber auch Missverständnisse und falsche Verdächtigungen – zu vermeiden, empfehlen wir im übrigen, Wertgegenstände für Dritte bewusst so zu deponieren, dass sie sicher bzw. unzugänglich sind.