Wenn die eigenen Eltern im Alter zunehmend Unterstützung brauchen, kann sich das Verhältnis zwischen Eltern und erwachsenen Kindern sehr verändern. Aus Fürsorge und Verbundenheit entsteht leicht das Gefühl, nun möglichst viel Verantwortung übernehmen zu müssen. Dabei ist es wichtig, die eigenen psychischen und physischen Grenzen im Blick zu behalten.

Für die eigenen Eltern da sein, ohne sich selbst zu verlieren

Wer für seine Eltern da sein möchte, sollte sich zunächst fragen: Was kann und will ich tatsächlich leisten? Welche Aufgaben übernehme ich gerne, und wo brauche ich Unterstützung? Nicht jede notwendige Aufgabe muss selbst erledigt werden. Verantwortung zu übernehmen bedeutet nicht, alles allein tragen zu müssen.

Besonders wichtig ist, Schuldgefühle nicht zum Maßstab des eigenen Handelns werden zu lassen. Ein Nein zu einer bestimmten Aufgabe bedeutet nicht, dass man seine Eltern im Stich lässt. Es kann vielmehr bedeuten: „Ich möchte für dich da sein, aber ich kann diese Aufgabe oder diesen Umfang nicht dauerhaft übernehmen.“

Entlastung frühzeitig organisieren

Entlastung sollte möglichst früh organisiert werden. Geschwister, andere Angehörige, professionelle Dienste oder Beratungsangebote können helfen. Auch innerhalb der Familie ist es sinnvoll, Aufgaben klar zu verteilen und möglichst offen darüber zu sprechen, damit nicht eine Person stillschweigend die gesamte Verantwortung übernimmt oder das Gefühl hat, dies zu tun.

Ebenso wichtig sind Zeiten, die dem eigenen Leben gehören: Erholung, Freunde, Partnerschaft, Familie, Bewegung oder einfach Zeit für sich selbst. Diese Bereiche sollten nicht dauerhaft der Versorgung der Eltern geopfert werden. Wer die eigenen Kräfte erhält, kann auch langfristig besser für andere da sein.

Körperliche und seelische Warnsignale sollte man ernst nehmen. Anhaltende Erschöpfung, Schlafprobleme, Gereiztheit oder körperliche Beschwerden können darauf hinweisen, dass die eigene Belastungsgrenze erreicht ist. Eine hilfreiche Frage könnte in diesem Zusammenhang etwa lauten: Kann ich die derzeitige Situation noch für mehrere Monate so weiterführen? Wenn die Antwort „Nein“ lautet, sollte etwas verändert werden.

Für die eigenen Eltern da zu sein bedeutet nicht, sich selbst aufzugeben. Eine gute Lösung ist vielmehr eine, bei der die Eltern verlässlich unterstützt werden und zugleich das eigene Leben, die eigene Gesundheit und die eigenen Grenzen ihren Platz behalten.